Das Jahr 2018 steht ganz im Zeichen des Abschieds vom deutschen Steinkohlebergbau. Am 21.12. ist Mettenschicht auf Prosper in Bottrop und auf Zeche Ibbenb√ľren. Damit endet die 1000-j√§hrige Geschichte des Steinkohlebergbaus in Deutschland.

Das Zeitalter der Kohle

Seit dem 27. April nimmt die Ausstellung “Das Zeitalter der Kohle” auf Kokerei Zollverein die Besucher mit auf eine beeindruckende Reise von der Entstehung der Kohle vor rund 300 Millionen Jahren bis hin zu einer imposanten Pr√§sentation von mehr als 1.000 Exponaten zu verschiedensten Facetten der Kohlf√∂rderung und all den Dingen, die aus der Kohle und anderen Stoffen aus der Grube gewonnen werden konnten. Abgerundet wird die mehr als gelungene Ausstellung durch zwei Dinge: die Exponate verteilen sich √ľber die verschiedenen Ebenen der ehemaligen Kokerei Zollverein. Also dort, wo bis 1986 die Verkokung der gewonnenen Steinkohle den n√§chsten Produktionsschritt nahm geht man nun die Treppen die verschiedenen Ebenen hinunter (oder wieder herauf, wenn man noch mal etwas schauen will), an einem Megaregal mit mehr als 3.300 Fl√§schchen mit medizinischen, pflegerischen oder f√§rbenden Pr√§paraten vorbei und landet schlussendlich wieder auf dem Boden und schaut sich zum Abschluss noch einen Film zum beginnenden Zeitalter der Kohle an. Die Geschichte der Steinkohle in Deutschland endet 2018, die Geschichte der Steinkohle weltweit aber f√§ngt gerade erst an. Das zweite Highlight erlebt man √ľbrigens gleich am Anfang: man f√§hrt mit der Standseilbahn vom Fu√ü der Kokerei hoch bis ganz nach oben. Genial. Schon allein das ist das Eintrittsgeld von ‚ā¨10 wert. Wer die Ausstellung noch nicht besucht hat, hat bis zum 11. November 2018 Zeit dieses nachzuholen. Wer die Sache √ľbrigens rund machen m√∂chte: das Ruhrmuseum befindet sich quasi um die Ecke und zeigt die Geschichte des Ruhrgebietes angefangen bei Auenlandschaften √ľber die Industrialisierung bis heute.

Der Ruhrpott lebt!

Die Extraschicht 2018 zog in ihrer mittlerweile 17. Ausgabe wieder die Massen in ihren Bann. Rund 300.000 Menschen haben bei sommerlichem Wetter nach Angaben der Veranstalter in diesem Jahr die lange Nacht der Industriekultur besucht und damit f√ľr einen neuen Rekord gesorgt. Nicht nur dieser Umstand ist bemerkenswert. So war die diesj√§hrige Extraschicht die letzte Ausgabe, welche den Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart spannte. W√§hrend auf Prosper die Kohlef√∂rderung noch l√§uft, √∂ffneten andernorts in 22 weiteren St√§dten rund 50 ehemalige Zechen, Kokereien und Stahlwerke als sog. Spielorte ihre Pforten f√ľr die Besucher. Wobei das nicht ganz richtig ist: vor Beginn der Extraschicht konnten zuvor ausgeloste Teilnehmer auf Grubenfahrt auf Prosper gehen. So kamen rund 300 Personen in den Genu√ü ein Bergwerk noch in vollem Einsatz unter Tage zu sehen. Gleichzeitig pr√§sentierten sich auf Zollvereine unz√§hlige Bergmannsgruppen und -ch√∂re. Der H√∂hepunkt hier war ein bergm√§nnischer Zapfenstreich vor Schacht XII gefolgt von einer unmittelbar daran anschlie√üenden Feuer- und Lichtshow. Nahezu parallel pr√§sentierte man auf Zeche Ewald in Herten w√§hrend des Musikfeuerwerks “Licht am Schacht” eine neue Version des Steigerlieds.

Frei nach dem Motto “Wandel is’ immer” pr√§sentierte sich das Ruhrgebiet mal wieder von seiner ureigensten Seite: pragmatisch und mit grenzenlosem Optimismus st√ľrzt man sich in die Zukunft. Und diese wird sicherlich nicht so schwarz werden, wie sie urspr√ľnglich zu Beginn des Zechensterbens Mitte der 1980er Jahre gemalt wurde. Mittlerweile sind viele ehemalige Industriestrukturen umgewidmet worden. Hin und wieder sind es lediglich eindringliche Kathedralen der Industriekultur, oftmals aber dienen die alten Geb√§ude neuen, innovativen Firmen als B√ľros oder gar Fertigungsst√§tten.

Die Steinkohle ist bald Geschichte. Doch die Metropole Ruhr lebt und er ist weiterhin laut, dynamisch und offen f√ľr alles Neue, was so kommen mag. Gl√ľckauf.

Galerie

Diese und weitere Bilder Bilder findest du (auch in h√∂herer Aufl√∂sung) in meinem Album “Industriekultur” auf meinem OneDrive.

Die Bilder entstanden am 2. Juni und 30. Juni 2018 in Essen und Herten und wurden mit einer Sony RX100 gemacht und mit Adobe Photoshop Lightroom entwickelt.

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