Herzlichen Glückwunsch, Amerika!

Herzlichen Glückwunsch an Donald J. Trump zum Gewinn der Wahl zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. In einem über längere Zeit knappen aber schlußendlich doch eindeutigen Rennen zwischen dem unmöglichsten Kandidaten und der unmöglichsten Kandidatin ging er triumpierend als Sieger hervor.

Fickt euch!

Der Sieg von Donald Trump in diesem politischen Rennen mag an ein Wunder grenzen. Aber nicht nur. Und wenn überhaupt ist es eben kein Wunder, daß er so haushoch gewonnen hat. Donald Trump ist als absoluter politischer Außenseiter angetreten. Er hat zuvor kein politisches Amt bekleidet oder ein Mandat innegehabt. Seine Berührungspunkte mit der Politik dürften sich auf einige Spenden an aussichtsreiche Bewerber um Kongress- oder Senatssitze beschränkt haben. Er hat sich auf dem Weg ins Weiße Haus zudem mit allen und allem, was aus seiner Sicht zum politischen Establishment gehört angelegt. Zunächst mit den Republikanern, anschließend mit den Demokraten und durchgehend mit den Medien. Er hat die politischen Dealmaker in Washington D.C. und Umgebung zum erklärten Ziel seiner Kampagne gemacht und versprochen, ihnen mal gehörig den Marsch zu blasen. Er hat die vielen Verwerfungen an den verschiedenen Nahtstellen der amerikanischen Gesellschaft aufgenommen und genau diesen Menschen, die am Rande dieser Verwerfungen leben eine Stimme gegeben. Donald Trump hat nicht etwa diese Stimmung erzeugt, er hat sie aufgenommen und immer wieder im Namen seiner Sympathisanten und Unterstützer ein ganz lautes “Fickt euch” in Richtung Washingtoner Establishment geschleudert.

Die dummen Amerikaner?

Ja, für all die, welche schlichtweg daheim geblieben sind und ihre Stimme nicht abgegeben haben. Denn auch wenn es bei der Anzahl der gewonnen Wahlpersonen eindeutig aussieht, so entsteht dieser Abstand aufgrund rund 250.000 fehlender Stimmen für Hillary Clinton in Wisconsin (30.000 Stimmen), Michigan (20.000), Pennsylvania (70.000) und Florida (130.000). Bei gleichem Ausgang in den anderen Bundesstaaten würden die Wahlpersonen aus diesen vier Staaten (drei davon liegen im sog. “Rust Belt” um die Großen Seen) für Hillary den Unterschied ausmachen. Nur mal so. Trump hat zudem 10 von den 13 umkämpften Staaten gewonnen und damit seinen Sieg gesichert.

Nein, nicht für die Wähler, welche zur Wahl gegangen und ihr demokratisches Recht ausgeübt haben. Wer sich jetzt darüber aufregt, daß die Mehrheit nun bei Donald Trump liegt, hat offenbar noch gewisse Defizite beim Verständnis des Sinnes und Zwecks einer demokratischen Wahl. Dieser liegt mitnichten darin, immer das erwartete oder erwünschte Ergebnis sicherzustellen, sondern seine Stimme abzugeben. Diese Stimme kann in einer Demokratie dann auch ein “Fickt euch” sagen. Das ist hier überwiegend geschehen und auch das ist in einer Demokratie gut und richtig. Und wichtig.

Hillary…

Hillary Clinton stand und steht für alles, was Donald Trump und seine Wähler ablehnen: das politische Establishment. Mainstream. Dealmaker. Aalglatt, eloquent, durchgehend pragmatisch und nicht in der Lage, dem einzelnen kleinen Mann Gehör zu verschaffen und eine Stimme zu geben. Clinton hat es während ihrer ganzen Kampagne nicht verstanden eine Mission auszugeben und diese vorzuleben. Sie glaubte, daß sie für etwas stünde, was ihr den Weg ins Weiße Haus ebnen würde und es zudem gewünscht wäre, daß die erfolgreiche Politik von Barack Obama fortgesetzt würde. Sie ignorierte wichtige “Swing States” weitestgehend und rieb sich statt dessen an Donald Trump, verließ sich auf die Umfragewerte und hoffte auf die herausragendsten Wahlkämpfer der Demokraten der letzten Jahre: Michelle und Barack Obama. Doch diese Wahl war eben nicht wie viele andere zuvor. Diese Wahl und auch die Umfragen folgten anderen Regeln. Es gab nicht ein paar kleine Männer, es gab ganz schön viele.

Dazu passt auch das jämmerliche Bild, welche Hillary Clinton nach der sich abzeichnenden Niederlage abgab: sie trat in New York nicht persönlich vor ihre Anhänger, die stundenlang ausgeharrt und für sie gebangt und gezittert haben. Sie ließ statt dessen von ihrem Wahlkampfleiter ausrichten, daß man sich morgen äußern würde. Auch wenn sie anschließend wohl mit Donald Trump telefoniert und ihm zum Sieg gratuliert habe, hätte ich mir gewünscht, daß sie nach dieser erbitterten Schlacht ihre Niederlage einräumt. Daß sie das nicht getan hat, hat nicht mit der vorgerückten Uhrzeit zu tun. Sowas ist eine Frage von Anstand und Stil.

Trumps Wahlversprechen und Versprecher

Es ist eigentlich egal, ob er all seine Wahlversprechen einhalten wird (kurze Zwischenfrage: welcher Politiker bzw. welche Partei hat schon jemals all ihre Versprechen eingehalten? Eben…). Lässt er die Mauer zwischen den USA und Mexiko wirklich bauen? Wer weiß. Wirft er alle Muslime aus dem Land? Gegenfrage: wie langwierig gestalten sich Verfassungsänderung in den USA noch mal gleich? Schließt er wirklich alle Grenzen für Menschen und Waren? Das ist eher unwahrscheinlich, wenn er nicht die amerikanische Wirtschaft komplett in die Knie zwingen möchte. Lässt er Hillary Clinton einsperren? Auch ein Donald Trump kann die Gewaltenteilung nicht mal eben so außer Kraft setzen.

Trump ist ein Macher. Leiter eines großen Firmenimperiums. Als ein solcher muß er auch nicht alle Aufgaben und Teilbereiche perfekt beherrschen. Er wird als amerikanischer Präsident das machen, was er auch als Executive tun würde: Leute einstellen, die sich auf dem Gebiet auskennen und den Job erledigen können. Man sollte aber trotzdem hoffen, daß er in einem unachtsamen Moment nicht Twitter mit dem Atomwaffenarsenal der USA verwechselt und aus Versehen Syrien atomisiert.

Seine WählerInnen

Ich hoffe, daß seine WählerInnen seiner ersten Rede als gewählter Präsident aufmerksam gelauscht haben und nicht etwa meinen – wie in Großbritannien nach dem BREXIT – man könne nun ungehemmt Jagd auf solche machen, die rein optisch nicht “in die USA gehören”. Während Großbritannien nun nicht unbedingt ein waffenstarrendes Land ist, sähe das in den USA schon etwas anders aus. Bislang gibt es aber keine Meldungen von irgendwelchen Scharmützeln. Ich hoffe, daß es so bleibt.

Die Welt im Schockzustand

Ein wenig schon. In Asien gaben die Märkte stark nach und auch die Futures an den Börsen sehen erstmal nicht ganz so positiv aus. Mit Hillary Clinton wäre eine “Weiter So”-Politikerin ins Weiße Haus eingezogen. Hier hätten die Börsenkurse wohl eher unmerklich gezuckt. Bei Trump gilt es nun abzuwarten, was er konkret tun wird. Weiteres Nachgeben der Kurse ist ebenso wahrscheinlich wie die kurzfristige Rückkehr zum vorherigen Stand.

Einen klaren Gewinner außerhalb der USA gibt es aber dennoch: Wladimir Putin. Die ursprünglich starke Achse zwischen den USA und den Staaten der Europäischen Union ist nun zumindest stark angeknackst. Demnächst stehen in Österreich, Frankreich und Deutschland entscheidende Wahlen an. Auch wenn Trumps erste und nächste Schritte noch nicht klar sind und auch vor dem 20.01.2017 sowieso nicht greifen werden, dürfte man zumindest davon ausgehen, daß die Situation insgesamt nicht stabiler geworden ist.

Mein Zwischenfazit

Ich bin ein wenig zwiegespalten. Auf der einen Seite finde ich es immer sehr gut, wenn bestehende Verhältnisse gelegentlich sehr kritisch hinterfragt werden. Donald Trump wird dem politischen Establishment in Washington D.C. die Hölle heiß machen. Paul Ryan, der Sprecher des Repräsentantenhauses der USA wird sich auf einige interessante Debatten mit dem Weißen Haus einstellen können (und umgekehrt). Dazu kommt auch noch, daß sich Trump und Ryan nun nicht gerade sympathisch finden. Da der Dialog zwischen Weißem Haus und Capitol Hill in aller Regel über den Vizepräsidenten geführt wird, sollten die ganz großen Reibereien ausbleiben. Hoffentlich.

Auf der anderen Seite hat Donald Trump auf dem Weg ins Weiße Haus einige Dinge gesagt, welche nicht mehr nur grenzwertig, sondern schon deutlich darüber hinaus gehen. Auch wenn seine erste Rede deutlich versöhnlichere Töne hatte, habe ich meine Zweifel, ob er diesen Ton auch wirklich meint und auf Dauer wird durchhalten können. Ein kleiner Choleriker ist er nunmal und das wird im Alter in aller Regel auch nicht besser. Man sollte beachten, daß Donald Trump auf einer recht giftigen Brühe mitsamt Welle ins Weiße Haus geschwemmt wurde. Ich hoffe, daß diese nicht den Grundstock für seine Politik und das gesellschaftliche Klima der zumindest nächsten vier Jahre bildet. Er sprach in seiner Rede – wie die letzten drei Präsidenten auch – davon, daß Land zu einen. Das ist keinem seiner Vorgänger gelungen. Vielleicht gelingt es ja Trump.

Warten wir mal ab 😉

Zurücklehnen und entspannen - Foto: Nikiko @ pixabay.com
Zurücklehnen und entspannen – Foto: Nikiko @ pixabay.com
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