Terror und Terrorismus spielen sich √ľberwiegend in der Psyche ab. Terroristen haben nicht die Macht (und auch nicht das Interesse) einzelne Personen zu bedrohen oder gar anzugreifen. Es gen√ľgt aber schon, wenn jeder Einzelne Angst hat, da√ü sie es k√∂nnten.

14.07.2016 – Anschlag in Nizza. Ein 31-j√§hriger Tunesier f√§hrt am franz√∂sischen Nationalfeiertag mit einem LKW in die feierende Menschenmenge, t√∂tet 85 Menschen und verletzt mehr als 300. Die Terrororganisation “Islamischer Staat” (IS) √ľbernimmt die Verantwortung f√ľr diesen Anschlag.

18.07.2016 – Anschlag bei W√ľrzburg. Ein minderj√§hriger afghanischer Jugendlicher verletzt in einem Regionalzug mit einem Beil f√ľnf Menschen. Der T√§ter wird wenig sp√§ter von einem Polizisten des SEK erschossen. Auch hier bekennt sich der IS zu diesem Anschlag.

22.07.2016 – Amoklauf in M√ľnchen. Ein 18-j√§hriger Sch√ľler t√∂tet am und im Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) neun Menschen und verletzte mehr als 30 weitere. Noch w√§hrend der Sch√ľtze aktiv ist bekennt sich auch hier der IS zu diesem Anschlag. Allerdings stellt sich kurze Zeit sp√§ter im Zuge der Ermittlungen heraus, da√ü der IS mit dem Anschlag nichs zu tun hatte und stattdessen lediglich versuchte, diesen medial f√ľr sich zu nutzen.

24.07.2016 – Anschlag in Ansbach. Ein 27-j√§hriger Syrer z√ľndet in der Innenstadt einen selbstgebauten Sprengsatz. Hierbei kam er ums Leben und verletzte weitere 15 Personen. Hier √ľbernimmt der IS wieder die Verantwortung f√ľr diesen Anschlag.

Unmittelbar nach jedem einzelnen Ereignis war das mediale Echo sowie die Hyperventilation der Superbesorgten frappierend. Man √ľberschlug sich mit immer wilderen √úberschriften, plapperte irgendwelche vermeintlichen Aussagen aus ungepr√ľften Quellen einfach nach w√§hrend sich gleichzeitig eine braune Suppe bestialisch stinkenden Sonderm√ľlls √ľber die sozialen Netzwerk ergoss. Die Panik, nein, die Hysterie war endg√ľltig in Deutschland angekommen. Nun also begann der Untergang des christlichen Abendlandes und man sa√ü selbstzufrieden (weil man es ja schon immer wusste) vor dem PC bzw. dem TV-Ger√§t, welches auf einmal keine L√ľgenpresse mehr darstellte, weil ja nun endlich die Wahrheit √ľber diesen Islam und seine Anh√§nger (und zwar ALLE) ans Licht kam. Davon beeindruckt war auch der Schlag Politiker, welcher gern unreflektiert mit irgendwelchen unrealistischen Thesen schnappatmenderweise an die √Ėffentlichkeit tritt. Stellvertretend sei hier “die Stimme der Wahrheit, der Klarheit und der Vernunft” (O-Ton Andreas Scheuer, CSU-Generalsekret√§r) genannt: Horst Seehofer.

28.07.2016 – Angela Merkel zieht ihre f√ľr den August geplante allj√§hrliche Pressekonferenz zur Innen- und Au√üenpolitik vor und stellt sich in der Bundespressekonferenz den Fragen der Journalisten nachdem sie zuvor in sachlichen Worten den aktuellen Stand der Dinge dargelegt hatte. Sie bekr√§ftigt auch in der BPK nochmal: wir schaffen das.

11.08.2016 – Thomas de Maizi√®re pr√§sentiert die geplanten Ma√ünahmen zur Erh√∂hung der Sicherheit Deutschland: mehr √úberwachung, vernetzte nationale und europ√§ische Sicherheitsbeh√∂rden, strengere Waffengesetze, mehr Personal. Und ein Seitenhieb in Richtung der Datensch√ľtzer durfte auch nicht fehlen. Insgesamt hat der Bundesinnenminister nicht so viel Neues beigetragen und stattdessen vielmehr die Ma√ünahmen der vergangenen Monate angereichert mit ein paar wenigen Neuerungen zusammengefa√üt wiedergegeben.

Man darf zum einen auf die konkrete Umsetzung und zum anderen auf weitere Schritte und Ma√ünahmen gespannt sein. Richtungsweisend d√ľrften die Reaktionen bei weiteren Anschl√§gen in und rund um Deutschland herum sein. Stellvertretend sei hier das diskutierte Burka-Verbot zu nennen.

Der Krieg gegen den Terror endete am 11.09.2001. Die Terroristen haben gewonnen.


Währenddessen ebenfalls in Deutschland. Weitgehend unbeachtet von Politik und Medien (Verlinkungen zu einzelnen Artikeln waren nicht ganz so einfach zu finden):

  • 01.01.2015 – Brand-Erbisdorf: B√∂llerattacke auf Fl√ľchtlingsheim
  • 13.02.2015 – Freiberg: B√∂llerattacke auf Fl√ľchtlingsheim
  • 22.04.2015 – Brand-Erbisdorf: Herbeif√ľhren einer Sprengstoffexplosion
  • 27.07.2015 – Freital: Sprengstoffanschlag auf Autos eines Stadtrats
  • 20.09.2015 – Freital: B√∂llerattacke auf Fl√ľchtlingsheim
  • 18.10.2015 – Dresden: Brandanschlag auf Fl√ľchtlingsheim
  • 01.11.2015 – Freital: Sprengstoffanschlag auf Fl√ľchtlingsheim

Innerhalb binnen eines Jahres hat es sieben Anschläge mit Böllern bzw. selbstgebastelten Sprengsätzen gegeben. Diese Anschläge ereigneten sich auf einer Strecke von rund 60km zwischen Dresden und Brand-Erbisdorf. Nach all den Erkenntnissen, welche man im Zuge der Ermittlungen rund um den NSU gewonnen hat, sollte man etwas mehr Aufmerksamkeit seitens der Politik und auch der Polizei erwarten können. Dem ist aber eher nicht so. Wer mag, kann ja gern mal beim sächsischen Innenministerium hierzu nachfragen.

Nat√ľrlich waren diese Anschl√§ge nicht die einzigen √úbergriffe auf Fl√ľchtlingsheime und Fl√ľchtlinge in Deutschland in den letzten rund 18 Monaten (siehe auch Verlinkungen weiter unten unter “Weiterf√ľhrende Links”). Insgesamt haben die Straftaten gegen Ausl√§nder und Einrichtungen f√ľr Ausl√§nder deutlich zugenommen. Dies d√ľrfte zum Teil darauf zur√ľckzuf√ľhren sein, da√ü mehr Ausl√§nder in Deutschland leben. Allerdings sind solche Straftaten auch nicht zu tolerieren. Trotzdem erscheint es so, als ob diese mehr oder minder fatalistisch hingenommen werden. Dieses ist rund f√ľnf Jahre nach der Aufdeckung der Umtriebe des sog. Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) sehr bedenklich. Da√ü die Ermittlungen auch hier nicht unbedingt vom Fleck kommen und stellenweise sogar torpediert werden, l√§sst die Bedenken nicht kleiner werden.

Da√ü durch die terroristischen Anschl√§ge der letzten Wochen in Deutschland und Europa die Besorgnis gewachsen ist, ist nachvollziehbar. Schlie√ülich geh√∂ren wir jetzt offensichtlich zu den Zielen eben dieses Terrors. Dabei sollte man aber nicht vergessen, da√ü Ausl√§nder in Deutschland und Europa schon etwas l√§nger besorgt sind ob der vielen rassistischen Ausw√ľchse. Auch hier mu√ü gegengesteuert und f√ľr mehr Sicherheit gesorgt werden. Diese Bedenken m√ľssen ebenfalls ernstgenommen und adressiert werden.

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