Das Universum liebt die Ironie.

Als er mit dem R├╝cken zur Wand stand, entdeckte der t├╝rkische Pr├Ąsident neue Technologien sowie einen der Grundpfeiler des demokratischen Staatswesens neu: er rief via eines live auf CNN Turk ausgestrahlten Interviews ├╝ber Skype die B├╝rger auf, auf die Stra├čen zu gehen und gegen die Putschisten zu protestieren, sich ihnen in den Weg zu stellen.

Aber nicht nur das: alle anderen im t├╝rkischen Parlament vertretenen Parteien unterst├╝tzten diesen Aufruf. Darunter auch die Parteien, welche nicht unbedingt zu den gr├Â├čten Unterst├╝tzern Erdogans z├Ąhlen. So oder so: die B├╝rger folgten dem Aufruf und stoppten somit den Putsch und erm├Âglichen damit dem immer autokratischer reagierenden Staatspr├Ąsidenten noch eine Zeit lang weiter zu regieren. Dass er aus dieser Situation Kapital schlagen wird, steht au├čer Frage. Noch w├Ąhrend der Putsch in vollem Gange war, k├╝ndigten der t├╝rkische Ministerpr├Ąsident und sp├Ąter Erdogan harte Strafen f├╝r die Putschisten und ihre Hinterm├Ąnner an.

Inzwischen wurden rund 2.800 aus ihren ├ämtern entfernt. Die T├╝rkei fordert von den USA die Auslieferung von Erdogans Widersacher Fethullah G├╝len. Es wird behauptet, da├č er hinter dem Putsch st├╝nde.

W├Ąhrenddessen in Europa und weiten Teilen des Rests der (westlichen) Welt schweigt man sich aus. W├Ąhrend in Istanbul und Ankara Teile des Milit├Ąrs einen Angriff auf die demokratischen Institutionen des t├╝rkischen Staates f├╝hrte schwieg man sich in Br├╝ssel, Washington, Berlin und London einfach mal aus. Erst als klar wurde, dass der Putsch scheitern w├╝rde, trudelten die ersten Statements der Regierungschefs ein. Ein Armutszeugnis f├╝r die L├Ąnder, welche in sch├Âner Regelm├Ą├čigkeit grundlegende demokratische Regeln einfordern.

Viel mehr Ironie an einem Abend geht schon fast nicht mehr…

 

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