Tschü mit Ü

Eine gewisse Skepsis war schon vor Unterzeichnung des EU-Türkei-Deals angebracht. Sonderlich viele Gemeinsamkeiten in puncto Werten waren auf beiden Seiten des Deals nicht auszumachen, so daß unterm Strich lediglich ein Kuhhandel übrigblieb: die EU zahlt einen Betrag X und die Türkei macht die Grenzen zur EU für die Flüchtlinge dicht. Zusätzlich konnte die türkische Regierung noch die Befreiung der Visa-Pflicht für die Europäische Union für ihre Bürger ab diesem Sommer rausschlagen.

Extra 3

Während die Verhandlungen zwischen der EU und der Türkei in den letzten Zügen lagen, widmete die Satire-Sendung „extra 3“ am 17.03.2016 dem türkischen Präsidenten zunächst einen speziell für ihn umgeschriebenen Song und anschließend noch eine gespielte Pressekonferenz seines Vize-Ersatz-Pressesprechers Torsten Sträter.

In den Tagen nach der Ausstrahlung passierte…nichts. Rund eine Woche später allerdings wurde der deutsche Botschafter in Ankara einbestellt. Dieses wiederum wurde erst einige Tage danach publik. Bewegten sich zuvor die Klickzahlen auf YouTube im üblichen Rahmen (zwischen 30.000 und 50.000 Views), gingen sie danach durch die Decke während zeitgleich die Meldung in vielen Medien immer wieder und immer weiterverbreitet wurde. Inzwischen haben mehr als 6 Millionen Zuschauer das Video aufgerufen.

Ob sich die Bundesregierung dieses Video auch angeschaut hat, ist nicht überliefert. Daß man sich eher vornehm zurückhielt und lediglich über den Außenminister sowie in der folgenden Bundespressekonferenz ein paar dünne Worte äußerte, verwunderte dann doch schon etwas.

Jan Böhmermann

Um es gleich vorwegzunehmen: das Gedicht für sich betrachtet war und ist nicht ganz so gelungen. Das sollte es aber auch nicht. Ich ziehe dennoch meinen Hut vor Jan Böhmermann. Er hat es mit eben diesem Gedicht geschafft, den Unterschied zwischen Satire und einer Schmähung deutlich und klar aufzuzeigen. Daß die Strafverfolgungsbehörden nun die Ermittlungen aufgenommen haben, ist ebenso richtig und wichtig in einem Rechtsstaat. Aufgrund der weiteren Entwicklungen darf man gespannt sein, wie sich die Dinge weiterentwickeln.

Die Bundesregierung

Daß sich die Bundeskanzlerin und mit ihr die gesamte Bundesregierung die ersten Tage so überhaupt nicht zum Grund der Einbestellung des Botschafters geäußert hat, ist nachvollziehbar. Es spricht für eine gewisse Lässigkeit und Souveränität im Umgang mit solchen Kinkerlitzchen.

Daß sich die Bundeskanzlerin nun mehr oder minder unmittelbar nach der Ausstrahlung der Sendung von Jan Böhmermann telefonisch mit dem türkischen Ministerpräsidenten abstimmt und sich entschuldigt, hinterlässt mich schon mit einem Kopfschütteln. Haltung sieht anders aus und lässt zugleich das vorherige Schweigen nicht mehr ganz so souverän aussehen.

Fortsetzung folgt!?!

[…] Die türkische Regierung wollte sich am Donnerstag nicht äußern; das türkische Außenministerium ließ mehrere Bitten um eine Stellungnahme unbeantwortet. Auch Erdogan selbst, der am Donnerstag in einer Rede auf die EU schimpfte und warnte, die Türkei werde die Rücknahme von Flüchtlingen aus Griechenland stoppen, falls Europa seinen Verpflichtungen unter dem kürzlich ausgehandelten Flüchtlings-Deal nicht erfülle, kommentierte den Wirbel um Böhmermann zunächst nicht.[…]

Nur mal so

Zuallererst ist es mir herzlich egal, ob nun „die Türkei“ oder Präsident Erdogan gänzlich verstehen und sich klar darüber sind, daß auch (und vor allem) eine freie Meinungsäußerung essentieller, integraler Bestandteil einer demokratischen Grundordnung sind. Zuallererst müssen wir es verstehen. Wir müssen eine klare Haltung haben und diese fängt bei der Bundesregierung an.

Eine persönliche Note an eine bestimmte Person in einem wunderschönen Land mit wunderbaren Menschen: Jüngchen, die Sache ist ziemlich einfach. Du kannst weiter und wie so oft die beleidigte Rindsleberwurst spielen, meinetwegen auch den Deal mit der EU aufkündigen und Dich in Deine Schmollecke zurückziehen. Dann gibt es genau zwei Optionen: entweder schaffen wir es ohne Dich oder wir machen die Grenzen sowas von dicht, daß selbst Du nicht mehr reinkommst.

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