Die kleine Weltstadt

“Wir haben Besseres zu tun” – ein Rückblick auf die gestrige Feier vor dem Ahlener Rathaus

Ahlen – Gestern Abend trafen sich auf dem Vorplatz des Ahlener Rathauses rund 400 bunt gemischte Teilnehmer, um ein Zeichen für Menschlichkeit, Solidarität und ein multikulturelles Miteinander zu setzen. Hierzu aufgerufen hatten verschiedene Verbände, Vereine und Gruppierungen als Reaktion auf eine Kundgebung der rechtspopulistischen Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD).

Ähnlich bunt gemischt wie die Teilnehmer war auch die Veranstaltung organisiert. Musik wechselte sich mit interessanten bis leidenschaftlichen Redebeiträgen ab. Wunderbar untermalt und beschienen wurde der Rathausvorplatz von der Sonne, die sich ab dem späten Nachmittag durchgehend zeigte. Das Catering übernahmen das Restaurant der Stadthalle sowie die Fatih-Moschee. Man konnte also gemütlich bei einem Kaltgetränk und einem Döner oder Lahmacun zusammenstehen und den Abend genießen.

Unser Wohnzimmer

…ist der Marktplatz. An diesem Ort kommt die Stadt zu gesellschaftlichen und kulturellen Veranstaltungen zusammen, hier gedenken wir den Opfern von Krieg, Vertreibung und Verfolgung. Daher war es bislang gelebte parteipolitische Praxis, diesen Ort eben nicht für parteipolitische Kundgebungen zu nutzen – unabhängig von der jeweiligen politischen Ausrichtung oder Intention. Daher hatten sich im Vorfeld zu dieser Veranstaltung der amtierende Ahlener Bürgermeister Dr. Alexander Berger auf der einen Seite und der Kreisvorsitzende der AfD Warendorf ein Duell mit Worten geliefert. Ob es einen Gewinner gibt und wenn ja wen, sollte jeder für sich selbst entscheiden.

Ich bin der Auffassung, dass es neben rein rechtlichen Punkten immer auch eine Frage des Anstandes und des Respekts ist, ob man sich über gewachsene Gepflogenheiten und Traditionen polternd hinwegsetzen möchte.

Hierauf ging der Ahlener Bürgermeister gleich zu Beginn in seiner Grußbotschaft ein. Es sollten weitere Reden folgen, welche den bunten und multikulturellen Charakter Ahlens auf unterschiedliche Art und Weise hervorhoben und feierten. Wirklich im Gedächtnis hängengeblieben sind bei mir zwei Redebeiträge.

Benedikt Ruhmöller

Der ehemalige Ahlener Bürgermeister Benedikt Ruhmöller hob in seiner Rede hervor, daß die Würde des Menschen unantastbar wäre. Und dieser Grundsatz schlichtweg für alle gelten würde. Nicht nur für die Nützlichen oder Einheimischen. Rums! Es folgte ein Satz, den ich schlichtweg klasse finde und der zudem eine seit 70 Jahren in Ahlen gelebte Tradition perfekt beschreibt: „Ahlen ist eine kleine Weltstadt, in der Menschen in Not und auf der Flucht mit offenen Armen empfangen werden.“ So ist es eben nicht erst seit letztem Sommer eine Selbstverständlichkeit, dass man in Ahlen anderen Menschen hilft (ja, auch Obdachlosen und Rentnern, falls das wichtig sein sollte für jemanden). Verschiedene Vereine und Gruppierungen kümmern sich schon sehr viel länger um diese Menschen. Angefangen hat das wohl alles unmittelbar nach Ende des 2. Weltkrieges als mehrere tausend Vertriebene nach Ahlen kamen und hier eine neue Heimat fanden. Diese Hilfsbereitschaft ist seitdem zu einem gelebten und praktizierten Miteinander in Ahlen geworden.

Rocio Siekaup

Ohne große Worte meinerseits – schaut euch das Video einfach selbst an. Es umfasst die letzten beiden Minuten von Rocios Rede und ist eine direkte Ansprache an Frauke Petry:

Weitere Impressionen vom gestrigen Abend in Ahlen

Medien zum gestrigen Abend:

 

Share on FacebookTweet about this on TwitterEmail this to someonePrint this pageShare on Google+Share on LinkedInShare on StumbleUponShare on TumblrPin on PinterestShare on Reddit